Bilder und Motive als Einstiegs-Methode

Bildkarten-Methode – 7 Variationsideen | Einstiegs-Methoden Teil 2

Der Klassiker: Postkarten oder Bildkarten in der Mitte auslegen. Aber ist das auf Dauer nicht ein bisschen einseitig? In diesem Post stelle ich Euch ein paar Variantionsmöglichkeiten vor. Wer lieber Videos schaut, findet zu diesem Text auch ein Video.

Bilder auszulegen ist sicherlich eine der bekanntesten und auch niedrigschwelligsten Methoden, um Personen in einem neuen Setting gut Ankommen und mit den anderen in Beziehung treten zu lassen. Und nicht nur das: Mit Reflexionsmethoden markiere ich deutlich, dass sich das Setting vom Arbeits- und Alltagskontextes abhebt. Es ist, als würden die Teilnehmenden wie mit einem Fahrstuhl einen Stock höher fahren und von dort auf sich und ihre Situation hinabblicken. Reflexion eben – Metaebene. Gerade in supervisorischen Kontexten finde ich diese Zäsur wichtig, um den Unterschied „super-visorischen“ Denkens und Sprechens hervorzuheben.

Abstraktes wird anschaulich und be-greifbar.

Aber zurück zu den Bildkarten. Sie lassen sich wie Metaphern nutzen, die Abstraktes, wenig Greifbares oder Komplexes (also eben auch Gefühle, Emotionen, Empfindungen) ins Bild heben und anschaulich machen. In der metaphorischen Sprache reicht es zudem, Dinge nur vage anzusprechen, ohne zu sehr ins Detail gehen zu müssen. Durch die Bilder bleibt auch die erzählende Person etwas geschützter, denn sie selbst darf bestimmen, wieviele persönliche Anteile in der Beschreibung bzw. Selbstkundgabe enthalten sein sollen.

Doch noch hilfreicher erscheint mir, dass mit der Aufforderung, eine Karte auszuwählen, ein guter Rahmen gegeben wird, in dem sich die Teilnehmenden selbstreflexiv mit sich selbst auseinander setzen können. Die Bilder regen dabei an und weiten den Denkhorizont, da sie überraschen und vielleicht noch ganz andere Gefühlsebenen oder auch Erinnerungen ansprechen, die zuvor eher im Hintergrund standen.

Und schließlich aktivieren die Bilder auch insofern ein Selbstbewusstsein, da vorab noch diffuse Gefühle durch Bild und Sprache eine Gestalt bekommen, die sich besser greifen und gestalten lässt. Anschaulichkeit und Begreifbarkeit sind die besten Voraussetzungen, um etwas „in den Griff“ zu bekommen. Sie helfen dabei, sich neu als Akteurin oder Gestalter des eigenen Lebens zu erleben.

Zusammen gefasst: Die Metaphorik von Bildkarten regt das persönliche Reflexionsvermögen an, unterstützt sehr niedrigschwellig und behutsam das In-Beziehung-Kommen von Gruppen und markiert einen Kontext, der sich vom Alltag abhebt.

„Aber ich kann doch nicht bei jedem Treffen Bildkarten auslegen!“ Wie in meinem anderen Beitrag erwähnt, darf ich mich hier selbstkritisch fragen, ob ich Methodenvielfalt vor allem als Visitenkarte meines professionellen Handelns (miss-)verstehe. Vielleicht befürchte ich auch, dass andere mich an meinem Methodenrepertoire messen. Sicherlich: Vielfalt beeindruckt und wirkt einladend und abwechslungsreich. Für mich ist es aber kein Maßstab. Warum nicht über Jahre immer mit derselben Methode beginnen und sie zu einer Art Ritual erklären. Das kann in vielerlei Weise sehr hilfreich sein und Sicherheit oder Vertrautheit unterstützen.

Aber zum Glück gibt es ja mittlerweile Bildkarten zu allen möglichen Themen oder in verschiedenen Ausgestaltungen. In einem Video hatte ich letztens die Karten von Team-Tree vorgestellt, viele kennen auch die Gefühlsmonster oder nutzen ihre eigene Postkartensammlung.

Einen Tag lang selbst auf Motiv-Suche gehen und eine eigene Karten Sammlung erstellen.

Ich kann nur einladen, einen Tag lang selber auf „Foto-Safari“ zu gehen und verschiedenste Gegenstände oder Landschaften zu fotografieren und dabei gerne auch untypische Perspektiven auszuprobieren.

Für den metaphorischen Transfer kann eigentlich alles genutzt werden: Bäume, Landschaften, Straßenszenen, Farben, Spielzeug, Tiere etc. Man sollte jedoch einigermaßen gut einschätzen, welchen Abstraktionsgrad man einer Gruppe zumuten kann und möchte. Je einfacher, desto besser. Denn sonst halten sich die Teilnehmenden möglicherweise zu lange damit auf, eine irgendwie geartete Verknüpfung mit dem Motiv herzustellen, die am Ende vielleicht gar nichts mehr mit dem eigenen Gemütszustand zu tun hat.

Wer noch nach Anregungen sucht: Ein paar finden sich bei meinen Online-Tools: Spielplatz, Farben, Tiere, Obst, Getränke, Bücher, Türen, Brücken, Bäume (zum Teil kostenlos).

Bei schon vertrauten Gruppen ließen sich Variationen auf anderer Ebene einbringen: Ein Motiv für meinen Sitznachbarn aussuchen. Diese kann sich dann frei äußern, ob oder wie das Motiv passt.

Oder um die Andersartigkeit des Settings zum Alltag stärker zu betonen: Ich lass zwei Motive auswählen – eines für das bis eben noch erlebt und ein zweites für das, was nun kommen und geschehen soll. Interessant wäre auch ein Austausch zu der Karte, „die im Moment am wenigsten zu mir passt, weil…“

Den Beziehungsaufbau der Gruppe fördern

Zur Förderung des Beziehungsaspekts der Gruppe, ließen sich (im Anschluss an die ersten Runde) die ausgewählten Karten zu einer Reihe oder Collage zusammenlegen. Ich wäre gespannt, welches Bild hier entstünde und welche Geschichte die Gruppe dazu erzählt.

Schließlich: Die persönlich ausgewählten (und noch unkommentierten) Motivkarten werden reihum gereicht und alle sind aufgefordert, eine knappe Assoziation (möglichst nur ein Begriff) zu nennen. Im Anschluss darf die Person, die die Karte gewählt hat, ihre Gründe für die Wahl darlegen.

Ich bin der Überzeugung, dass sich noch unzählige Abwandlungen und Variationen finden lassen, die der simplen Methode ganz neue und überraschende Aspekte hinzufügen können. Wenn Ihr bereits mit gewinnbringend Erweiterungen gearbeitet habt, könnt Ihr das hier gerne für alle kommentieren!

Zu Einstiegs-Methoden, Teil 1

Mein Video zum Text:

Video zur Bildkarten-Methode. 3 Gründe und 7 Ideen für Variationen.

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