Methoden zum Einstieg in Workskops und Seminare. Anregungen und Ideen

Einstiegs-Methoden | Teil 1: Warum und wieso?

„Kennst Du kreative Methoden für den Einstieg?“ Das ist vielleicht eine der häufigsten Fragen, die im Kolleg*innen-Kreis gestellt werden. Klar, man ist immer auf der Suche nach neuen Methoden. Schließlich hat man ja gefühlt bereits alles durch. Vielleicht ist es auch die vermutete Erwartungshaltung von Teilnehmenden, dass eben ab und und an einfach mal methodisch etwas neues gebracht werden müsse. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Methodenkompetenz als ein inoffizielles Qualitätsmerkmal verstanden wird, um zu beurteilen, wie gut ein Coach, eine Supervisorin oder Trainer ist.

Natürlich ist methodische Vielfalt abwechslungsreich und sicher auch auflockernd. Aber ich darf mich durchaus selbstkritisch fragen, wozu ich eigentlich Einstiegs-Methoden einsetze. Darüber hinaus lohnt es sich darüber nachzudenken, wie ich mit ganz einfachen Mitteln neue Anregungen schaffen kann. Darum soll es in diesem kurzen Artikel gehen.

Methodenkompetenz als ein inoffizielles Qualitätsmerkmal

Klar, Methoden zum Einstieg sollen den Beginn einer Sitzung unterstützen. Es geht darum, einen möglichst hilfreichen Übergang zu gestalten, der Personen im neuen Setting ankommen lässt, indem der gerade noch erlebte Alltag thematisiert und „gewürdigt“ – aber eben auch der Unterschied zum Alltag verdeutlicht wird. Im Bild gesprochen: Es gilt eine Brücke zu bauen, die zu etwas Neuem führt, die aber zugleich immer eine Verbindung zum Bekannten und Erlebten aufrecht erhält.

Um in diesem Bild zu bleiben: Einer Brücke tut stets ein Geländer gut! Je tiefer und länger das zu überbrückende Tal ist, desto vertrauenserweckender sollte nicht nur die Brücke, sondern auch das Geländer sein. Mit „Geländer“ assoziiere gewisse Sicherheitsaspekte. Denn zu Beginn eines Workshops, Seminars oder einer Supervision benötigen alle Teilnehmenden vor allem Orientierung und Sicherheit, um sich auf das Neue Setting einlassen zu können. Manchmal reicht schon ein fester (Stamm-)Platz oder bewährte Willkommens-Rituale. Ein Glas Wasser oder eine Tasse Tee zum „Festhalten“ beim Ankommens-Small-Talk sind im Grunde ja bereits erste hilfreiche „Methoden“, die ich bewusst zur Verfügung stellen kann. Und auch der (zeitliche) Rahmen sollte des Treffens sollte klar sein: Bevor ich inhaltlich gut einsteigen kann, benötige ich ein gewisses Maß an Orientierung und Absicherung. Eine passende Einstiegsmethode kann genau das unterstützen.

Ich bin genauso nervös und unsicher!

Wenn ich hier von Teilnehmenden rede, meine ich wirklich alle Teilnehmenden – einschließlich mir als Leiter der Runde. Denn ich bin vielleicht genauso nervös und unsicher: Welche Themen bringt die Gruppe mit? Gibt es Konflikte? Wie ist mein Standing gegenüber den Teilnehmenden etc. Mit anderen Worten: Ich wähle Einstiegsmethoden auch danach aus, ob und wie sie mir an dem jeweiligen Tag meine aktuelles Sicherheitsbedürfnis unterstützen. Und je stärker ich mich auf ein prozessorientiertes Vorgehen entscheide – also tatsächlich anhand der Themen der Teilnehmenden die Sitzung gestalte – desto hilfreicher ist ein klarer und stabiler Start in ein Treffen. Und nicht zuletzt strahlt die selbst gewonnene Sicherheit, die ich mir erarbeite auch auf die Gruppe ab und hilft ihr immens, sich auf das zukünftige Geschehen einzulassen!

Der Satz „Ich begrüße zuerst die Person und dann das Thema“ ist mir zu einer festen Leitschnur geworden und hilft mir, den Einstiegsprozess klar zu strukturieren.

Wie aber nun können die Teilnehmenden möglichst gut in den Prozess einsteigen? Wie steil bzw. flach ist die Brücke zu bauen, um eine gut austarierte Balance zwischen Orientierungsbedürfnis und Mitteilungsbereitschaft zu gestalten?

Ich denke, der entscheidende Punkt ist, dass die teilnehmenden Personen den „Einstiegsgrad“ selbst bestimmen (können) sollten. Und dazu kann ich ihnen geeignete Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Auf die Frage: „Wie geht es Dir?“ wird man vermutlich selten eine wirklich tiefe Antwort bekommen, solange sie nicht in einem sehr vertraulichen Verhältnis gefragt wird. Biete ich dagegen aber etwas an, das auf den ersten Blick nichts mit der Person zu tun hat (die klassische Methode ist hier ein Auslegen von Postkarten, Bildern), gebe ich den Teilnehmenden überhaupt erst die Zeit und Möglichkeit, sich mit sich selbst in Ruhe auseinanderzusetzen.

Auf die Frage: „Wie geht es Dir?“ wird man vermutlich selten eine wirklich tiefe Antwort bekommen.

Das heißt: Ich konfrontiere nicht direkt und um die Unsicherheit nicht zusätzlich zu verstärken, sondern ich biete mit geeigneten Gegenständen einen neutralen „Gesprächspartner“ an, mit denen sich die jeweilige Person im Zwiegespräch sehr vertraulich auseinandersetzen und auch den Intensitäts-Grad der persönlichen Mitteilung festlegen kann. Bei sehr großen Gruppen hat es sich für viele bewährt vor der „Präsentation“ im Plenum auch kleine „Murmelgruppen“ von drei Personen dazwischen schieben. Denn hier können die Teilnehmenden im Kleinen „antesten“, was ihre Mitteilungen bei anderen auslösen. Sie gewinnen so noch mehr Sicherheit und Orientierung, wie und was sie der Großgruppe mitteilen möchten.

Zusammengefasst: Einstiegsmethoden unterstützen mich beim Bau einer Brücke, um den Übergang zwischen Alltag und Lerngruppe herzustellen. Sie geben die notwendige Orientierung und Sicherheit und ermöglichen dadurch überhaupt erst den Transfer.

Zu diesem Thema habe ich auch ein ausführliches Video erstellt:

Teil 2: Bildkarten-Methode – 7 Variationsideen

Teil 3: Reflexionskarten

Video zu Einstiegsmethoden für Seminare, Workshops und Supervision 

1 Kommentar

Lieber Helmut
Da stimme ich Dir voll und ganz zu! Für mich ist ein guter Einstieg das A und O einer Beratungssitzung oder auch eines Trainings. Der ersten Momente und somit die erste Intervention, ob Frage, Methode oder Tool sind sehr wertvoll und bahnen den weiteren Weg. Sie liefern erste Eindrücke, prägen die Stimmung und somit den Verlauf. Bei der allerersten Beratung, Supervision – bei der man sich zum ersten Mal begegnet – und auch jedes weitere Mal, braucht es einen guten Übergang, um zu sich selbst und zueinander zu finden, sich einzulassen und zu öffnen.
Ebenso wichtig sind Abschlüsse, aber dazu wird es bestimmt einen weiteren Artikel in deinem neuen Blog geben ;-)
Vielen Dank und beste Grüße, Grazia Rinallo

Grazia Rinallo

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