Rückschläge

Eben musste ich einfach nochmal raus! Ich habe kurzentschlossen die Laufeinheit von morgen auf heute Abend vorgezogen und es war eine sehr gute Entscheidung.

Der Lauf war zwar ziemlich hart und hat mich an meine Grenzen gebracht, aber genau das brauchte ich gerade. Vier mal vier Minuten etwas über meinem Schwellentempo. Das erste Intervall hat am Ende geschmerzt, beim zweiten war ich schon darauf eingestellt, was mir blühen sollte. Intervall Nummer drei lief dann erstaunlich gut und beim letzten durfte ich noch einmal richtig kämpfen.

Jetzt fühle ich mich richtig schlapp und könnte auf der Stelle einschlafen. Aber wieder frage ich mich, was mich dazu bewogen hat, das Ding noch zu laufen? Klar, auf der einen Seite habe ich den ganzen Tag heute im Haus gehockt. Der Gedanke an die frische, kalte Luft, die einen auf den ersten Metern immer viel zu schnell laufen lässt, war schon sehr verlockend. Aber wenn ich ehrlich bin, war da noch etwas anderes. Etwas, das mir vermutlich gar nicht bewusst war, das sich aber scheinbar trotzig und mutig genügend innerlichen Gehörs verschaffte. Mein Ego.

Grund dafür war die gestrige Blamage. Ich wollte einen Leistungstest auf dem Rad machen und war kläglich gescheitert. Ich bin mit so viel Selbstbewusstsein und Euphorie in diesen mörderischen Test gegangen, weil die letzten Tage und Wochen mir eine Leistungssteigerung vorgaukelten. Das tatsächliche Ergebnis warf mich um Wochen zurück – ich verschlechterte mich sogar.

Klar, es gibt bestimmt Faktoren, die das Resultat gefälscht haben könnten: Vielleicht war ich noch zu erschöpft? Bestimmt hat die zunächst nicht richtig funktionierende Technik mich abgelenkt. Und außerdem war ich unter Zeitdruck („Mittagessen!“).

Wie auch immer. Ich war auf jeden Fall sehr enttäuscht – weil ich offensichtlich einer Täuschung erliegen bin und jetzt der bitteren Wahrheit ins Gesicht sehen musste. Und: Weil das ganze Trainieren nichts genutzt hat – dabei hatte ich mich so streberhaft an den Trainingsplan gehalten.

Es kann also gut sein, dass ich es mir heute nur noch einmal beweisen wollte. Möglicherweise wollte ich mir auch richtig einen „einschenken“, weil ich es gestern verbockt hatte.

Beides scheint mir aber nicht ganz passend, denn ich hatte wirklich Lust zu laufen. Sicherlich tat es gut, Grenzen zu spüren und harte Belastungen durchzustehen, aber das alleine kann es nicht gewesen sein.

Denn wenn ich die Augen für ein paar Minuten schließe und nichts mache außer zu atmen, spüre ich genau dasselbe, das ich auch beim Laufen erlebe: Mich selbst – und das unabhängig jeglicher Leistung!

Ich liebe es, mir Ziele zu setzen und sie ambitioniert anzugehen. Aber sie sind nicht mein Leben. Beim Laufen spüre ich, dass ich lebe. Einfach nur, weil ich laufe. Vielleicht fällt mir deshalb immer wieder das schöne Zitat von Mark Rowlands ein: „Ich laufe nicht, um meinem Leben Tage hinzuzufügen. Ich laufe, um meinen Tagen Leben hinzuzufügen!“

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen