Den inneren Schweinehund überwinden

Projekt „Grün“

Kann man seinen inneren Schweinehund eigentlich gegen sich selbst ausspielen?
Es scheint, dass ich einen für mich (zumindest im Moment) funktionierenden Köder gefunden habe.
Aber mal zurückgespult: Wie heißt eigentlich der Schweinehund und warum soll er überhaupt domestiziert werden?

Das „Projekt Grün“

Auslöser für das „Projekt Grün“ ist meine Anmeldung für den Ironman in Hamburg und vor allem die Tatsache, dass ich in den letzten Wochen und Monaten aus verschiedenen Gründe nicht nur wenig und halbherzig trainiert habe, sondern dass ich zwischendurch auch völlig unnötige (und überflüssige) Kohlenhydrate in Form von Streuselschnecken und anderen Leckereien inhaliert habe.

Jetzt zu Beginn meiner Langdistanz-Vorbereitung stand ich vor der schwierigen Frage, welche Ziele ich mir für Hamburg vornehmen will. Ohne Ziele funktioniert bei mir nämlich nichts. Das weiß ich. Ziele geben mir die entscheidende Motivation wenn ich mal einen Durchhänger habe oder die nächste intensive Einheit mir Angst einflößt. Aber wie soll ich bitte ein realistisches Ziel benennen, wenn ich gar nicht weiß, wo ich nach so langem rumpelhaften Training bzw. Nicht-Training stehe? Ist das Ziel zu hoch gesteckt, wird es mir nach wenigen Wochen zu unrealistisch erscheinen und mich dadurch eher frustrieren. Unterschätze ich mich dagegen, verpufft der erhoffte Motivations-Kick und ich dümpel wieder nur vor mich hin.

Also – so mein Gedanke – brauche ich ein eher kurzfristiges Ziel, das unabhängig von meinem Leistungsstand ist und mir überhaupt erst die Voraussetzung schafft, ein realistisches Ziel für den Ironman zu formulieren. Und dieses Ziel fand sich auf völlig anderer Ebene: Mein vorläufiges Ziel ist es nun, in drei Monaten eine solide Basis für mein Training zu schaffen. Diese Basis umfasst für mich zwei Aspekte:

  1. Ich habe 100% nach den Vorgaben meines Trainingsplans trainiert (und mir damit bewiesen, dass ich es ernst meine mit meinem Vorhaben)
  2. Ich habe wieder mehr auf meine Ernährung geachtet, indem ich auf unnötige Kohlenhydrate und Alkohol verzichtet habe (und mir bewiesen, dass der Verzicht nicht unbedingt Verlust, sondern vielleicht auch nur bewusste Unterbrechung von Gewohnheit ist).

„Zwei tolle Vorhaben – aber leider eher Wunschtraum und zum Scheitern verurteilt!“

Das zumindest sagt mein Schweinehund, der mir in der Vergangenheit zuverlässig (und erfolgreich) eingeredet hat, dass man Stabi-Training auch ausfallen lassen kann, dass Im-Regen-Joggen keinen Spaß macht und dass Radfahrten über drei Stunden in keinen normalen Tagesablauf passen (und deshalb grundsätzlich um 20% gekürzt werden sollten – die Schwimmeinheiten sowieso)!

Aber ich kenne meinen Schweinehund mittlerweile ganz gut und weiß, womit er sich ködern lässt und zu winseln beginnt: Er will unbedingt sein Leckerli haben und macht dafür alles! Mit anderen Worten: Er will es sich verdienen – egal wie. Und das witzige ist: Er würde dafür sogar Stabi-Training machen und all das andere, was er mir 2 Sekunden zuvor noch als Schwachsinn einzureden versucht hat. Klingt bescheuert – ist aber so!

2 Leckerlis für meinen Schweinehund

Anders formuliert: Ich habe mir gedacht, ich könnte Aspekt 1 gegen Aspekt 2 ausspielen (und umgekehrt). In der Sprache von der Trainingsplattform „TrainingPeaks“ bedeutet das: Alle Einheiten sind grün! Sie wurden nicht nur absolviert sondern sie wurden auch exakt nach den Vorgaben eingehalten. Für eine komplett grüne Woche bekäme mein Schweinehund (also ich) 2 Leckerlis. Sollte eine Einheit nicht 100%ig erfüllt sein (also nur „gelb“), bekäme er nur 1 Leckerli. (Und mit Schweinehunden muss man extrem streng sein!)

Diese Leckerlis lassen sich gegen Kohlenhydrate oder Alkohol eintauschen. Sprich: Wenn ich mir einen Punkt verdient habe, kann ich ihn für ein Stück Kuchen oder ein Bierchen einsetzen.

Der Clou bei der Sache ist: Beide Aspekte – also sowohl Punkte für gutes Trainieren also auch die süßen Leidenschaften – machen sich gegenseitig kostbarer und wertvoller. Ich frage mich: „Soll ich wirklich meinen so hart im Training erwirtschafteten Punkt mal eben so gegen ein blödes Stück Kuchen eintauschen?“ Und ich sage mir: „Das Bier, das ich mir nach einer Woche harten Trainings vielleicht gönne, ist wirklich verdient und will genossen werden!“ 

Am Ende macht mir das „Projekt Grün“ mein Handeln vermutlich nur etwas bewusster. Aber es reicht anscheinend für tatsächliche Verhaltensänderungen. Das ist schon lustig, wie man sich selbst auf den Arm nehmen kann. Aber solange es funktioniert, mache ich das gerne! 

So. Jetzt aber fix zum Stabi-Training. Prost!

schweinehund

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