Krönung

Krönung

Gerade war ich noch froh, so schnell meine Magen-Darm-Geschichte losgeworden zu sein, da lauerte um die Ecke tatsächlich die Krönung des Ausbremsens: Corona. Bisher hatte ich es erfolgreich geschafft, dem Virus auszuweichen. Naja, irgendwann wäre es eh passiert. Vielleicht ist dieser Moment auch nicht der schlechteste Zeitpunkt.

Bisher war der Verlauf zum Glück einigermaßen erträglich. Nur leider ist die Stimme weg und die Halsschmerzen sind ziemlich stark. Aber meine größere Sorge ist sowieso die Kategorie Long Covid. Doch aussuchen kann man sich das ja eh nicht.

Jetzt heißt es warten und geduldig sein – patient eben.

Während ich gerade meinen Tee schlürfe, muss ich an die Zeit denken, als es mich damals viel stärker aus der Bahn geworfen hatte: Ich hatte eine rheumaähnliche Erkrankung und bis heute ist nicht ganz klar, ob ich mir damals (2010) irgendwelche Bakterien eingefangen hatte (Yersinia). Keine Ahnung, wie das kam. Klar war aber, dass ich mich fast drei Jahre nur sehr mühsam und unter Schmerzen bewegen konnte. Gleichzeitig ich habe in dieser Zeit gelernt, geduldig zu werden und vieles zu relativieren: Busse, sind mir fast vor der Nase weggefahren, weil ich einfach nicht schneller gehen konnte. Ich musste Leute bitten, mir etwas zu tragen, weil ich meine Faust nicht richtig schließen konnte. Aber ich habe gemerkt, dass die Welt davon nicht untergegangen ist. Gut, vielleicht kann ich das jetzt auch nur schreiben, weil ich wieder gesund wurde (denn das war keineswegs immer sicher!).

Aber umso schöner war es, irgendwann wieder ohne Schmerzen gehen zu können.

Und ich erinnere mich gut an meine ersten Jogging-Versuche: Nur ein paar Schritte ganz vorsichtig traben. Freuen. Gehen. Dann wieder von vorne. Ich trainierte mich wieder behutsam und schrittweise voran. Nachdem ich meinen ersten Marathon nach der Krankheit gefinished hatte, musste ich meiner Rheumatologin erstmal einen dicken Blumenstrauß vorbei bringen!

Also freue ich mich jetzt schon wieder auf die ersten Schritte. Mir ist klar, dass ich beim BerlinMan im August vermutlich keine Bestzeiten schaffen werde. Aber allein die Vorstellung, an der Startlinie stehen zu können, fühlt sich heute schon wie ein Highlight an. Und die Ziellinie mit einem Lächeln zu erreichen, ist ebenfalls ein ermunternder Gedanke. Es ist schon lustig wie sich alles recht schnell relativiert. Und ab und an tut es ganz gut, mal wieder etwas geerdet zu werden (wobei mir dabei eine weniger schmerz- oder leidvolle Variante wirklich lieber wäre).

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