RügenChallenge Radmarathon

Geplatzt

Gestern auf der Rügen Challenge sind zum erstmal die Pferde mit mir komplett durchgegangen! Viel zu lange bin ich über meiner Leistungsschwelle gefahren bis ich dann komplett geplatzt bin. Es ging gar nichts mehr. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat, denn so etwas kannte ich bisher noch nicht: Weder einen kompletten Leistungsabfall noch, dass ich völlig zügellos so abgehe.

Andererseits ist das ein gutes Zeichen. Denn ich stecke ja eigentlich mitten in der Off-Season. Das bedeutet im Idealfall: Keine Planung, keine Struktur. Ok, man sollte vielleicht noch ergänzen: Keine Intensität.

Die ersten beiden Aspekte habe ich 100% befolgt: Ich bin ziemlich unvorbereitet in den Wettkampf gegangen und hatte vergessen, wichtige Utensilien einzustecken (Radbrille, Radhandschuh und auch eine funktionierende Batterie für den Wattmesser). Außerdem hatte ich keinen Plan und keine Strategie, wie ich die 107km der Rügen Challenge angehen wollte. Ganz naiv dachte ich: Einfach nur entspannt radeln. Allerdings hörte ich dann, es gäbe eine Sprint- und eine Bergwertung. „Egal – nichts für mich. Ich bleibe entspannt“.

Dann der Start. Und zwei Sekunden später kam mir wieder zu Bewusstsein, dass man bei so einem Rennen ja sofort zur Gruppe aufschließen muss, um nicht unnötig Kraft im Gegenwind zu verpulvern. Doch diese zwei Sekunden haben viel Kraft gekostet, da bereits alle losgedüst waren und ich nun mehrere Minuten gegen den Wind strampeln musste, um wieder aufzuschließen – da war ich das erste Mal angeschlagen.

In der Gruppe konnte ich dann wieder gut regenerieren, bis es selbst mir zu langweilig und trödelig wurde. MIt zwei drei anderen versuchten wir, etwas Tempo zu machen, aber der Rest zog nicht.

Als ich dann den Start der Sprintwertung sah und niemand losballerte, fuhr ich einfach mein Tempo – leider völlig kopflos.

Hatte ich das Schild „Ende der Sprintwertung“ übersehen? Verunsichert trat ich weiter in die Pedale den Berg hinauf. Eine viel zu lange Zeit. Es war hart, fühlte sich aber irgendwie auch gut an, die Leistungsgrenzen auszureizen. Das Problem war nur, dass zu diesem Zeitpunkt noch etwa 70km vor mir lagen und ich komplett allein auf der Straße war. Ich versuchte, zu einem Radfahrer weit vor mir aufzuschließen. Doch ich musste mir nach einigen Kilometern bitter eingestehen, dass ich es nicht schaffen würde. Als mich dann die Gruppe wieder einholte, war ich zunächst sehr dankbar, nun wieder im Windschatten mitrollen zu dürfen.

Aber was war das: Ich konnte einfach nicht mithalten! Ich schaffte es nicht einmal, aus dem Sattel zu gehen. Es ging gar nichts mehr. Das war extrem frustrierend und dieser Frust verdoppelte plötzlich auch die Schmerzen und die Erschöpfung.

Zum Glück habe ich es dennoch irgendwie ins Ziel geschafft. Auch dank zweier Leidensgenossen, die sich wohl auch etwas übernommen hatten. Gemeinsam wackelten wir über die Ziellinie und freuten uns umso mehr über das verdiente Ziel-Bier.

Heute bin ich um eine wichtige Erfahrung reicher. Und ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung in einem spielerischen Kontext machen durfte. Streng genommen sind es zwei Erkenntnisse: Ein Plan bzw. eine klare Strategie schützt vor impulsiven Fehlentscheidungen. Und: Es gibt einfach physiologische Grenzen, die man beim besten Willen nicht überwinden kann!

1 Kommentar

Kann passieren und gehört dazu
Eine wertvolle Erfahrung mehr
Toll das Bild mit der 🐌 und dem Radler

Klaus

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